rocket science is no rocket science.

tl;dr: ohne inklusion keine raketen.

stellen wir uns mal, als reines gedankenexperiment, eine welt vor, in der in den letzten hundertdrölf jahren willkürlich die hälfte der menschen davon abgehalten oder es ihr zumindest schwer gemacht wurde, sich zu bilden, zu erkenntnissen zu gelangen, forschung zu betreiben. einfach so. wie sehr würde sich das auf den fortschritt auswirken? gäbe es errungeschaften wie das internet? elektrischen strom? dampfmaschinen? lassen sich die konsequenzen überhaupt abschätzen?

mensch muss sich nur umsehen um genau ein solches szenario vorzufinden. frauen* werden beim zugang zu bildung benachteiligt, ihre forschung wird weniger ernst genommen und selbst die wenigen, die sich in einer männlich dominieren welt tatsächlich gegen alle widerstände durchsetzen können, sich vielleicht sogar arrangieren und wohl fühlen, können ihr potenzial gewiss nicht in der völle nutzen, wie es dem dominanten gesellschaftsteil als natürlich zufällt.

hier nimmt die fortschrittssabotage noch kein ende. der zugang zu resourcen, wissen und bildung versiegt an den grenzen nationaler oder supernationaler konstrukte. menschen die nicht an den optimalen geokoordinaten oder mit nicht akzeptiertem äußeren geboren werden, haben kaum eine chance, theoreme aufzustellen oder elementarteile zu suchen, wenn schon ihr überleben struktureller sabotage unterworfen ist.

das sind nur zwei stellen an denen deutlich sichtbar ist, welche bugs in dieser gesellschaft noch stecken. doch es gibt keine backup-hardware, wir müssen mit dem leben, was da ist. wie weit wäre die gesellschaft, würden wir nicht mit workarounds den kaputten zustand aufrecht erhalten, statt bugs zu fixen oder freie alternativen zu schaffen?

während ich mich darüber ärgere, noch nicht durchs weltall reisen zu können und mich daran abarbeite, überhaupt ein problembewusstsein zu schaffen, treffen sich in hamburg auf dem 29c3 menschen, von denen ich glaube, dass sie das potenzial haben, die welt zu fixen oder sich zumindest ihrer position im sie umfassenden gefüge bewusst zu werden. ich halte viel von diesen menschen, die es schaffen, sich so vieler bugs in der welt, technisch wie kulturell, anzunehmen und einigen sogar ganz bemerkenswert entgegenzuwirken. doch dieses bewusstsein ist unvollständig und fragil. wie leicht es zerbricht, zeigt sich gerade in laufenden debatten, entstanden durch kritik, deren anliegen es war, dieses bewusstsein auszuweiten und einzufordern, die eigene wirkung zu hinterfragen.

doch gibt es einen hoffnungsschimmer: raketen, raumstationen und weltraumreisen. dieses ziel hat sich auch die hackkultur gesetzt, und erreichbar ist es nur, wenn wir als gesellschaft nicht unser potenzial verschwenden, sondern resourcen für alle verfügbar machen, grenzen niederreißen und einsehen, dass die rakete nur fliegt, wenn alle düsen die gleiche schubkraft haben.

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7 Antworten zu “rocket science is no rocket science.

  1. map

    danke für den text. ich verstehe nicht woher du den optimismus noch nimmst, aber ich finde ihn gut.

    wenn ich mir angucke wie mit der thematik, vor allem von alpha-nerds mit vorbildfunktion, umgegangen wird, glaube ich nicht mehr an eine strukturelle veränderung der hacker-/nerdkultur (nein, eben nicht hackkultur). gerade hoffe ich es zu schaffen mich irgendwann aus diesen kreisen zurückzuziehen und das meinen letzen congress gewesen zu sein. es täte mir gut.

  2. chrifpa

    danke. ich würde gerne mehr so texte lesen. auch ich verspüre manchmal diesen optimismus. meistens geht es mir derzeit eher wie map, aber eigentlich möchte ich das nicht. eigentlich möchte ich eine tolle hackkultur wie du sie beschwörst. es gibt noch viel zu tun bis dahin.

  3. ffalt

    endlich ein kommentar, der den gesellschaftlichen rahmen einbezieht in dem sich auch der congress abspielt. ist es doch eine selbstlüge des ccc, sie seien eine galaktische gemeinschaft, die sich gleichsam nicht einmal auf unserem planeten befände (geschweige denn sind alle besucher*innen des congresses im ccc). die arbeit muss auf allen ebenen der gesellschaft erfolgen, denn in einem klima in dem frauen strukturell daran gehindert werden technische berufe und hobbies zu ergreifen, ist es für mich nicht verwunderlich, dass die hacker/nerd szene die patriarchalen strukturen widerspiegelt.
    das alles soll niemanden aus der verantwortung entlassen, aber zu glauben eine filterblase helfe hier weiter halte ich für naiv. mit dieser gesellschaft will zumindest ich erst gar nicht ins all und ich beginne zu glauben die oberste direktive der sternenflotte bezieht sich gar nicht auf den warp-antrieb.

  4. Pingback: Ein weiterer Hack_space für Berlin » Konvergenzfehler

  5. Pingback: Links (6) « sanczny

  6. »wie weit wäre die gesellschaft, würden wir nicht mit workarounds den kaputten zustand aufrecht erhalten, statt bugs zu fixen oder freie alternativen zu schaffen?«

    ein wirklich schöner text, der mir eine etwas optimistischere perspektive auf dinge aufzeigt. danke.

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