ein wort zum schlössersee

mey lean öffnet gerne love padlocks, auch als kritisches statement zu beziehungsnormen. sanczny kritisiert das. dürft ihr selbst lesen, denn auf die konkreten texte der beiden von mir sehr geschätzten menschen will ich garnicht eingehen.

was transportieren diese vorhängeschlösser eigentlich? in erster linie die norm, sich in einer liebesbeziehung befinden zu müssen. menschen ohne beziehung, ob selbst gewählt oder nicht, weichen von der norm ab, bleiben unsichtbar. love padlocks symbolisieren im öffentlichen raum das vorhandensein von liebesbeziehungen, nehmen raum ein; der normative zustand wird kommuniziert, welche kein schloss anzubringen hat, der steht kein raum zu.

daneben, aber etwas weniger eindeutig, das ideal der formalisierten, immerwährenden liebesbeziehung. zur tradition des mems gehört es, nach dem anbringen des schlosses die schlüssel wegzuwerfen. das symbolisiert, auch wenn sich das symbol stark an der realität reibt, die falltürfunktion des beziehungsideals; beziehungen einzugehen wird erwartet, beziehungen aufzulösen negativ sanktioniert.

auch mononormativität halte ich für durch diesen brauch repräsentiert, wenn auch viel weniger eindeutig. im überwiegenden maße beziehen sich die schlösser auf eine exklusive zweierbeziehung, gekennzeichnet durch zwei namen oder initialen, die auf dem schloss angebracht sind. schlösser mit mehreren inhaberinnen oder ineinander verschlungene schlösser mehrerer verbundener beziehungen sind denk- und machbar, aber, so steht zu vermuten, spureneventualitäten.

heteronorm, als letzten normfaktor, sehe ich, wenn auch in deutlicher überzahl, am wenigsten repräsentiert. wohl werden heterobeziehung der geschlechtszuschreibung der namen nach überwiegen, doch auch homosexuelle oder uneindeutige namenskominationen sind denkbar. spannend finde ich hier die praxis, initialen zu verwenden, weil damit (wenn auch wohl meist ungewollt) keine orientierung kommuniziert wird.

eine inklusivere praxis könnte sein, nicht eine beziehung durch ein schloss zu symbolisieren, sondern einen menschen. so können auch schlösser alleine hängen, jede kann über ihren schlüssel selbst entscheiden und es lassen sich mehrere nicht-exklisive beziehungssituationen abbilden und besonders nicht-exklusivitäts-affine menschen können sich ein schloss mit kette zulegen. 😉

bei der praxis des lovepickings bin ich mir unschlüssig. einerseits ist es ein spannender debattenkatalysator, allerdings fehlt mir die direkte vermittlungsebene. ich würde in der praxis zumindest die frage nach der wirkung im konkreten fall stellen: sind die einzelnen schlösser gemeint, oder die ganze brücke?

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