ein sonntagskrimi

letzte woche, in der nacht von mittwoch auf donnerstag verschwand mein rucksack spurlos aus der hofdurchfahrt, während ich für eine minute im hof war, um mein fahrrad dort abzustellen. doofe sache, zumal der rucksack unter anderem mein macbook beinhaltete. via icloud habe ich den rechner gesperrt und ferngelöscht, sowie eine nachricht hinterlassen, dass der rechner gestohlen wurde und meine telefonnummer angegeben. zu diesem zeitpunkt war ich davon überzeugt, dass ich das gerät nicht wiedersehen würde. map hat als leihgabe sein altes macbook pro überlassen, damit ich wenigstens glitch spielen (sowie alle passwörter ändern und ssh-keys austauschen) kann.

heute nachmittag um 15:00 trudelte eine mail ein, dass der rechner nun gelöscht wird. immerhin, dachte ich mir, brauche ich mir nun weniger sorgen um kompromittierte ssh-keys machen. zwanzig minuten später klingelte mein telefon, die nummer des anrufs war unterdrückt. entgegen meiner sonstigen gewohnheit ging ich ran. die stimme am anderen ende der funkzelle sagte, sie hätte mein macbook und würde es mir zurückgeben, allerdings nicht kostenlos, sondern für einen „finderlohn“. ich solle zahlen so viel ich könne, schließlich gäbe es auch andere interessenten. zum schein ging ich darauf ein, sagte, dass ich nicht mehr als 100 euro hätte, ließ mir einen übergabetreffpunkt um 16:30 in der nähe des moritzplatzes nennen. nach kurzer konsultation meiner twitter-timeline ging der zweite anruf zur polizei, wo ich kurz die situation schilderte zweimal kurz durchgestellt wurde und schließlich einen rückruf von einer zivilstreife bekam. ich schilderte nochmal kurz die situation und zog los in richtung moritzplatz.

dort angekommen ging ich in den hinterhof vom betahaus. nach etwas nachhilfe in sachen prinzenstraße versus prinzessinnenstraße fand auch die zivilstreife ihren weg dort hin. ich durfte meinen ausweis vorzeigen und wurde instruiert, um 16:35 zum übergabeort zu gehen, musste also noch 25 minuten warten.

genau um 16:35 begab ich mich zum übergabeort und stand dort ein paar minuten lang wartend rum. dann kam ein zweiter anonymer anruf, in dem ich aufgefordert wurde, zu einem anderen treffpunkt zu kommen. ich hab mich ein bisschen blöd gestellt und schließlich ließen sich die macbook-diebe darauf ein, mir engegenzukommen. ich habe das kurz telefonisch an die zivilbeamten weitergegeben und mich so langsam wie unauffällig möglich auf den weg gemacht. direkt gegenüber vom betahaus wurde ich dann von zwei leuten angesprochen, ob ich „der mit dem laptop“ bin. ich hab ihnen die hand gegeben, mir meine sachen zeigen lassen (die sich nicht im geklauten rucksack, sondern in einer schäbigen lidl-tüte befanden) und noch ein bisschen zeit geschunden, während einer der zivilbeamten hinter den beiden vorbeischlenderte. dann ging alles blitzschnell, der polizist hat beide gleichzeitig umklammert und bewegungsunfähig gehalten. offenbar hatten die beiden noch verstärkung dabei, denn ein dritter eilte den beiden zur hilfe. drei weitere zivilpolizisten tauchten auf, brachten die situation unter kontrolle und arrestierten die drei.

noch immer die plasiktüte mit meinem geraffel in den händen haltend, aber voller freude, meinen kram wiederzuhaben und im wissen, dass die gefahr erstmal gebannt ist, begab ich mich um die ecke und atmete erstmal tief durch (und informierte natürlich die schwer besorgte twitter-timeline).

danach ging es noch für ein gutes stüncdhen auf die polizeiwache im friedrichshain wo ich den hergang nochmal ausführlich schilderte und letztlich meine geklauten sachen zurück bekam. auf der wache erfuhr ich noch, dass einer der diebe mein nachbar ist und durfte feststellen, dass meine aufkleber abgekratzt waren (soviel auch zu der ehrliche-finder-geschichte).

die runtergekratzen aufkleber (älteres backup) schmerzen mich am meisten, schließlich waren sie gewissermaßen eine repräsentation dessen, was ich mit diesem gerät alles erlebt habe. den flattr-aufkleber habe für das finden mehrerer xss-schwachstellen bei flattr bekommen, den soup-aufkleber hat mir c3o geschenkt, die aufkleber der verschiedenen hackspaces hab eich jeweils dort geschenkt bekommen, den ccc-geprüft-sticker habe ich selbst gemacht (und selbst keinen mehr übrig), auch die aufkleber von telecomix, datalove und viele andere bekam ich von menschen die ich mag und die mir wichtig sind. einzig in gänze überlebt hat der sticker vom labor in bochum. ich würde mich also wahnsinnig freuen, wenn mir viele tolle menschen, projekte und spaces viele tolle aufkleber schicken:

yetzt c/o netzguerilla, manteuffelstraße 40, 10997 berlin.

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3 Antworten zu “ein sonntagskrimi

  1. nach etwas nachhilfe in sachen prinzenstraße versus prinzessinnenstraße … hehe, ist mir auch schon passiert. Mensch sollte eine Strichliste führen!

  2. Das ist mal eine Geschichte! Immerhin mit Happy End, auch wenn das MacBook doch ordentlich mitgenommen aussieht. Ein Hoch auf iCloud. Aber hoffentlich hast du daraus gelernt und lässt deine Sachen nicht mehr mal eben aus den Augen. 😉

  3. Krasse Story. Freut mich aber, dass das MacBook auftauchte. Ein Hoch auf die ehrlichen Finder.

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