das amante ist ist politisch

[tl;dr: polyamorie ist nicht anti-mono sondern anti-normativität]

es herrscht doch immer wieder einhellige konfusion, was den polyamorie nun eigentlich genau ist. gut, es gibt so eine art diffusen grundkonsenses, der im wesentlichen die möglichkeit mehrer gleichzeitiger verbindlicher untereinander transparenter liebesbeziehungen umfasst. so weit alles unklar? fein.

ich möchte eine andere perspektive aufmachen: polyamorie als politischen begriff, der einen emanzipatorischen gegenentwurf zur mononormativität beschreibt. mononormativität, die ideologische erklärung exklusiver, endloser liebesbeziehungen zum richtigen, rechten, natrülichen und die sanktionierung aller abweichungen, diskriminierung aller von dieser norm abweichenden. hier mache ich vier dualismen aus:

  • ausschließlichkeit — offenheit; die sichtbarste differenz. die mononorm setzt eine beziehung zwischen zwei menschen zur norm, mehrere (oder aber auch keine) beziehungen eingegangen zu sein, wird sanktioniert. jede anzahl, von null bis ∞, als legitime menge an liebesbeziehungen eingehen zu können (oder auch nitch) ist der zustand, den antimononormative emanzipation fordert.
  • gegebenheit — veränderbarkeit; ich halte diese differenz für die wesentliche trägerin emanzipatorischen potenzials. in normativen beziehungen gibt es viele unhinterfragte handlungsnormen, deren einhaltung nicht nur von den beteiligten, sondern über die beziehung hinaus erwartet wird. jeden aspekt der beziehung hinterfragbar, jederzeit verhandelbar, veränderbar zu machen ist die antinormative praxis an dieser stelle.
  • ewigkeit — endbarkeit; nur die ewige liebe bis zum tod garantiert vollständige gesellschaftliche achtung, noch immer gelten trennungen als versagen und sind gesellschaftlich unerwünscht. der emanzipatorische ansatz ist, das selbstbestimmte ende von liebesbeziehungen als legitimen teil von beziehungsautonomie zu begreifen.
  • tabuisiertheit — transparenz; dinge zu thematisieren ist unter mononormativen bedingungen nicht erwünscht, der gewollte zustand ist, sich zu ertragen und den rest für sich zu behalten. der gegenentwurf ist die möglichkeit offener kommunikation, als grundlage für aushandlungsprozesse.

polyamorie ist also nicht die verkehrungen von monobeziehungen ins gegenteil unter zwingender voraussetzung von promiskuität und beliebigkeit; polyamorie ist ein gegenentwurf zu mononormativität. auch monoamante beziehungsformen können als freie vereinbarung zu mononormen im widerspruch stehen (und tun das auch häufig), wichtig ist das bewusstsein für die macht des normierenden herrschaftszustandes. auf der grundlage einer herrschaftsbewussten und -kritischen übereinkunft sind alle beziehungsformen denk- und machbar.

die vielen lieben der polyamorie zielen also nicht nur auf die vielen beteiligten an nicht-exklusiven beziehungen ab, sondern auf die vielfältigkeit der beziehungsmodelle und -möglichkeiten. polyamore beziehungen können viel sein, müssen aber nichts.

letztlich bin ich nicht dadurch polyamor, dass ich mehrere menschen liebe und damit irgendeiner polyamoren norm entspreche, sondern dass ich mein begehren nicht der herrschenden norm unterordnen will.

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Eine Antwort zu “das amante ist ist politisch

  1. Pingback: generelle ablehnung von monoamorösen beziehungen? « Queerfeministische Anarchorobbenfront

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