erklärbär strikes again

zuletzt habe ich über die (un)möglichkeiten der vermittlung herrschaftskritischer perspektiven geschrieben und dabei eine absurde position eingenommen, um einen anreiz zum selbst denken zu bieten. das haben viele durchschaut. dennoch haben einige die absurde position beklatscht, einige haben kritisiert, dass die position ernst genommen werden könnte, einige waren sich zumindest unsicher, was denn die absicht und position hinter dem text war. um das ganze zu entwirren, hier die auflösung:

die angeschnittene debatte dreht sich um die frage, wie vermittlung herrschaftskritischer perspektiven statt finden kann, ohne dass diese im einklang mit herrschaftsmechanismen steht.

die erste these lautete wie folgt:

von diskriminierung betroffene müssen nichts erklären, weil es nicht ihre aufgabe ist, dafür zu sorgen, nicht diskriminiert zu werden. es ist sache der privilegierten, sich über ihre privilegien bewusst zu werden und diese nicht zu nutzen.

hier geht es nicht darum, wer erklären darf, sondern wer erklärungen einfordert. es reproduziert keine herrschaftsverhältnisse, wenn betroffene diskriminierung benennen, analysieren und sichtbar machen. daraus eine pflicht abzuleiten, ein recht, erklärungen zu bekommen, einzufordern, ist der punkt, an dem herrschaft reproduziert wird.

also weiter mit der nächsten these:

nicht von diskriminierung betroffene nutzen aber ihre privilegien, wenn sie etwas erklären und reproduzieren dabei privilegierte machtstrukturen.

hier ist es bereits schwieriger, den haken zu finden. grundsätzlich wirkt die vermittlung emanzipatorischen wissens, herrschaftskritischer ansätze und handlungsoptionen machtstrukturen entgegen. dass sie das tendenziell umso wirkmächtiger tut, je privilegierter der vermittelnde mensch ist, findet die ursache nicht in der vermittlung, sondern in den machstrukturen, gegen die sich diese richtet. dennoch hat auch die privilegierte position eine wirkung.

es gibt also zwei wesentlich wirkungen: eine beabsichtigte und tendenziell positive, sowie eine eine kollaterale, tendenziell negative. die kernfrage der debatte dreht sich also darum, ob jegliche wirkung vermieden werden soll oder ob die wirkungen abgewogen werden sollen.

ein pauschales schweigegebot halte ich für nicht sinnvoll. erklärungen aus gegenläufigen positionen im machtgefüge stehen nicht per se im widerspruch, sondern können sich ergänzen. die wirkung der eigenen position ist dabei von aus bemächtigten positionen agierenden mitzudenken. strategien in der praxis müssen darauf hinauslaufen, diskursräume nicht zu vereinnahmen.

letztlich lebt der feminismclub dadurch, dass darüber geredet wird.

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Eine Antwort zu “erklärbär strikes again

  1. Pingback: erklärstreik und geheimfeminismus « yetzt

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