Keksplaining

in den letzten tagen ging es um kekse. darum dass menschen kekse dafür wollen, dass sie feministische positionen vertreten. menschen, die nicht feministisch agieren, weil sie selbst von struktureller diskriminierung auf grund von geschlechtlicher selbstverortung oder zuschreibung betroffen sind, sondern sich als verbündete der betroffenen begreifen. mit den keksen sind in diesem kontext keine leckeren, knusprigen gebäckstücke gemeint, kekse sind in diesem zusammenhang eine metapher für anerkennung, zuspruch, lob, dankbarkeit und_oder zuneigung. es gibt keinen anspruch auf kekse, denn machtpositionen nicht zu nutzen, sich weniger diskriminierend zu verhalten, mildert womöglich die wirkung der herrschaftsverhältnisse, schafft diese aber nicht ab. anerkennung als antrieb für weniger diskriminierendes verhalten verdient zu recht kritik, marginal betroffene selbstverortete verbündete, die mangelnden zuspruch für ihr handeln beklagen, werden also zu recht als vorgebliche, falsche verbündete, fauxministisch bezeichnet. so weit nehme ich das als grundlegende übereinkunft verschiedener feministischer strömungen in reichweite meiner wahrnehmung wahr.

ich mag kekse. ich liebe kekse. ich verteile gerne anerkennung an menschen und bin auch dankbar für jedes schulterklopfen, das mir zugedacht wird. mich erfreuen und motivieren freundliche kommentare, retweets, kleine herzchen, flattr-klicks, reposts, likes, favs und all die anderen raffinessen der digitalen zuneigungsausdrucksökonomie. ich bin gerne selbst verschwenderisch mit aufmerksamkeit, zuspruch und zuneigung für und an menschen, die dinge weniger falsch und mehr richtig machen.

ich habe keine erwartungen dahingehend, ich wünsche mir von menschen nicht nur zuspruch, sondern auch kritik. zuspruch allein kann ich nicht ernst nehmen. zuspruch und kritik greifen ineinander und sind für mich teil eines konzeptes namens solidarität. auf der einen seite solidarität, auch über strömungsgrenzen hinweg, zu fordern, andererseits zuspruch zu verpönen und menschen, die aus richtiger überzeugung in ihrem handeln daneben liegen, in die fauxministische kekshöhle zu stecken, halte ich für widersprüchlich und problematisch.

solidarität ist eine waffel!
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2 Antworten zu “Keksplaining

  1. Betti

    Ok, bislang habe ich mich glaub ich noch nie in so eine netzfeministisch-interne Auseinandersetzung richtig eingeschaltet, weil ich mich da immer noch primär als externe Mitleserin wahrnehme, aber jetzt muss ich doch mal was fragen: Auf welche Leute bezieht Ihr, @yetzt und @sanczny denn jetzt konkret, die hier zu Unrecht in irgendwelche Kekshöhlen eingeordnet worden sind? Die Unterhaltung darüber zwischen ich glaube in erster Linie accalmie und nlantzsch entstand m.E. auch einer sehr konkreten SItuation und bezog sich auf bestimmte konkrete Diskutanten, mit denen sich accalmie (dankenswerterweise) sehr geduldig und intensiv auseinander gesetzt hatte. Bei Euch beiden liest sich das jetzt im Nachhinein so, als hätten die beiden sich total pauschal über alle „Allies“, „Männer“, „Weiße“ oder sonst eine größere Gruppe geäußert. Haben sie aber gar nicht, sondern lediglich ihre Genervtheit über das (Diskussions-)Verhalten ventiliert, dem sie in den Stunden davor ausgesetzt waren. Das war sehr konkret und situationsbezogen. Also welche „menschen, die aus richtiger überzeugung in ihrem handeln daneben liegen“ wurden denn jetzt hier konkret verpöhnt und in irgendwelche Kekshöhlen gesteckt? Deef? Ben? Wer? Und wieso ist es so wichtig, gegenüber Menschen, die gerade energieaufwändige und grundsätzliche Auseinandersetzungen mit „der anderen Seite der Barrikade“ führen, auch noch eine zweite Front aufzubauen, indem man ihre Binnenkommunikation und ihre Form des Aktivismus zum Anlass für Spottereien und Grundsatzauseinandersetzungen nimmt? Ich versteh das – über den in meinen Augen inkonsistenten Inhalt Eurer Kritik – auch unter Solidaritäts-Gesichtspunkten nicht so richtig.

    • ich nehme keinen bezug auf konkrete personen. ich gebe kontext, was es mit diesen keksen auf sich hat (um die aus der verwendung des mems folgende wissenshierarchie abzubauen), und nehme eine position ein (die entsolidarisierung als geforderten grundzustand des verhältnisses von betroffenen zu unterstützdenden kritisiert).

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